Fußballregeln heute – inspiriert von einem Facebookbeitrag

Ich habe mich heute Morgen „ausm Ruhrpott“ inspirieren lassen. Genauer gesagt von einem Bild (das vermutlich aus „Das Wunder von Bern“ stammt) und 15 Fußballregeln, die in „unserer“ Kindheit galten:

https://www.facebook.com/ausmruhrpott/photos/a.370858049693294.1073741827.370212099757889/857382067707554/?type=3&theater

Damals, als der Fußball noch die Pille war… ?

15 Fußballregeln uns’rer Kindheit!

1. Der Dickste is‘ im Tor! ?
2. Dat Kind mit’m Ball bestimmt, wer spiel’n darf. ?
3. Mädchen dürfen nicht mitspielen!
4. Strafen gibt’s nur, wenn verletzte Spieler schwör’n, dat es wirklich weh tut.
5. Dat Spiel is‘ Ende, wenn alle müde sind! ?
6. Egal wieviele Tore fallen, „Das nächste Tor gewinnt!“.
7. Kein Schiedsrichter. Und wenn, sind’s Streber!
8. Wenn keiner ’nen Fussball hat, wird’s auch ’ne Dose tun. ?
9. Latte rettet!
10. 3 Ecken = Elfer!
11. Schulranzen oder Auswechselspieler dien‘ als Torpfosten.
12. Wenne als letztes gewählt wurdest, hasse im Leben keine Chance! ?
13. Wenn der mit dem Ball nach Hause muss, is‘ dat Spiel vorbei!
14. Wenn die Latern‘ an geh’n, ab nach Hause!
15. Man kann auch morgen weiter spiel’n!
16. Teil den Beitrag. Sonst darfste nicht mitspielen! ?

Natürlich sind meine 6 Fußballregeln, die als Replik darauf entstanden sind, völlig subjektiv und überspitzt, aber ganz vielleicht spiegelt sich darin auch ein Teil meines ganz persönlichen Fußballfrustes als „Fußballmama ohne Leib und Seele“. Es ist jedenfalls kompliziert…

(Jugend-)Fußballregeln heute

1. Auf der Straße kicken ist VERBOTEN.

Denn das ist laut und stört sowohl in Altbaugegenden als auch in Neubaureihenhaussiedlungen empfindliche Anwohnerohren – und zwar nicht nur die der Rentner, die ihre Hörgeräte übersteuert haben, sondern gerade auch die von Eltern mit Kindern, die selbst so gerade mal eben dem Straßenkickeralter entwachsen sind (punktuelle Amnesie vermutlich).
Außerdem kann man selbst mit einem Softball die wahlweise aus Prestige- oder Bequemlichkeitsgründen auf der Straße statt in der Tiefgarage parkenden Mercedes, Porsche oder Audi-SUVs empfindlich verletzen. Und es stört den Verkehrsfluss selbst in einer Sackgasse oder Spielstraße doch erheblich, wenn bei jedem an- oder abfahrenden Auto die Eck- und Torpfosten beiseitegetragen werden müssen (die selbstverständlich nicht mit den teuren extraleichten Designerschulranzen markiert oder von menschlichem Auswechselpotenzial gebildet werden, sondern mit leuchtenden Hudora-Plastikpylonen).

2. Trainingsort und Trainingszeiten

Aufgrund von 1. braucht man also Alternativen. Da in einer größeren Gemeinde viele Kinder gleichzeitig die örtlichen Sportanlagen oder Sporthallen nutzen wollen (und zwar sehr zum ungläubigen Staunen vieler nicht immer zum Fußballspielen, sondern tatsächlich ab und zu auch für Randsportarten wie Handball, Leichtathletik oder Geräteturnen), braucht es eine ausgeklügelte Planung, wer wann welchen Platz nutzen darf. Glücklicherweise gewinnt Fußball als einziger echter Breitensport hierzulande eigentlich immer und 1. ist somit kein echtes Problem. Trainiert wird also zunächst zweimal pro Woche eine oder anderthalb Stunden, ab der E-Jugend dann dreimal.

3. Political Correctness

Dieses Schlagwort hat zwischenzeitlich sogar beim Fußball Einzug gehalten (zumindest in der Theorie – denn wenn man sich durch die Zuschauerreihen bei Bundesligaspielen lauscht, kommen einem ggf. zu diesem Punkt ernste Zweifel). Wie auch immer: Daher gibt es auch keine „Dicken“ mehr, die im Tor stehen müssen, sondern höchstens gut genährte Kinder, die selbstverständlich wechselweise mal auf jeder Position spielen dürfen. Denn schließlich wissen wir: Jede Position fordert und fördert bestimmte Eigenschaften eines Spielers, so dass selbstverständlich die vielseitige Ausbildung der Jungkicker und – man verzeihe mir, dass ich es beinahe vergessen hätte – natürlich JungkickerINNEN im Mittelpunkt steht. Denn Mädels DÜRFEN nicht nur mitspielen, sondern MÜSSEN sogar (also wünschenswerterweise mindestens ein Mädel pro Mannschaft!), um Diversity zu leben. Daher schreiben wir in E-Mails politisch korrekt auch „Liebe Spieler, liebe Spielerin!“.
In den Ballettkursen befreundeter Mädelseltern liest sich diese Umsetzung der Gleichberechtigung dann vermutlich so: „Liebe Ballerinas, lieber Ballerino!“.

4. Normkonformes Material

Vorweg: Die beim Pott erwähnten Dosen werden es an diesem Punkt schwer haben und sollten sowieso nicht auf der Straße rumfliegen, sondern brav – passend wiederum zu 3. – zum Pfandautomaten getragen werden (wenn sie denn überhaupt gekauft werden müssen). Gekickt werden kann nämlich AUSSCHLIESSLICH mit einem genormten Fußball (Anmerkung: Nach den FIFA-Regeln ist ein Fußball dann regelgerecht, wenn er kugelförmig ist, aus Leder oder einem anderen geeigneten Material gefertigt ist, einen Umfang zwischen mindestens 68 und höchstens 70 cm hat, zu Spielbeginn ein Gewicht von mindestens 410 Gramm, jedoch höchstens 450 Gramm besitzt und einen Überdruck zwischen 0,6 bar und 1,1 bar besitzt. Jugendbälle sind etwas leichter.)

5. Die Rolle der Eltern

Früher spielten Eltern beim Straßenkick eigentlich keine Rolle. Es ging auch ohne. Ganz anders heute!

Part 1: Die Eltern als Sparschweine
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Die Eltern kaufen den Kindern nicht nur gebrandete Funktionsfußballkleidung, sondern auch pro Saison MINDESTENS 3 Paar Kickschuhe (für die Halle mit profilierter Sohle, für den Kunstrasen mit länglichen Nocken bzw. für ältere, kurze Kunstrasenplätzen solche mit Multinoppen, für normalen Naturrasen mit breiteren Nocken mit etwas weiterem Abstand, für feuchten Naturrasen mit klassischen angeschraubten Stollen). Im übrigen hoffen alle ELtern, die ich kenne, inständig, dass ihnen der Supergau erspart bleibt, dass das Kind während der Freiluftsaison einen Wachstumsschub macht…

Part 2: Das Wochenende ist nicht mehr heilig
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Die Eltern halten sich im Sommerhalbjahr jedes Wochenende frei, um ihre Nachwuchsbundesligaspieler zu den wöchentlichen Ligaspielen bzw. den tagesfüllenden Feldspieltagen oder Turnieren zu begleiten und sie gebührend (und selbstredend politisch korrekt – siehe dazu 3.) anzufeuern. Im Winterhalbjahr gilt Entsprechendes für Hallenspieltage und Hallenturniere. Wichtig: Auch wenn man an dem Wochenende eigentlich lieber etwas anderes gemacht hätte (es soll tatsächlich Eltern geben, die eigene Interessen und Hobbys haben – ist aber nur Hörensagen, also völlig unbestätigt und daher vielleicht auch völlig abwegig!), es wird auch dann nicht gemeckert, wenn der eigene Sprössling bei 7 Spielen à 10 Minuten insgesamt nur 8 Minuten auf dem Platz steht. In diesem Kontext erschiene dann das Ruhrpott-Prinzip „Auswechselspieler als Torpfosten“ doch wieder überdenkenswert. Aber natürlich lernt man auch beim Zuschauen (ich will jetzt ja nicht sagen, dass das dann aber auf der Couch vorm Sky-Programm gemütlicher wäre ;-)).

Part 3: Die Eltern als Chauffeure
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Die Eltern schaffen sich – falls noch nicht vorhanden – zusätzlich zum zweiten Kind im fußballfähigen Alter ein zweites Auto an. Denn bei den unglaublicherweise unwahrscheinlich häufigen Verkettungungen unglücklicher Umstände ist Sohn 1 womöglich am Sonntag ab 7.50 Uhr 25 km nach Norden zu begleiten, während Sohn 2 ab 8 Uhr 30 Kilometer südlich des Heimatortes seine Torjägerqualitäten oder sein Sitzfleisch unter Beweis stellen muss.

6. Und last but not least:

Mitspielen darf nur, wer schon mit 5 Jahren bei den Bambini (also G-Jugend) mit dem Training durchgestartet ist.

—> Wenn Ihr also Glück habt, hat Euer Sohn oder natürlich Eure Tochter (siehe 3.) diesen Zeitpunkt verpasst und hat keine Chance mehr, in eine der umliegenden Vereinsmannschaften aufgenommen zu werden. Es sei denn, Ihr habt Pech und er oder sie ist ein Naturtalent 😉

tl;dr

Nicht jeder – pardon jede – ist zur Fußballmama geboren. Weil: Es ist kompliziert!

Ein Plädoyer für die Klingelwindel

Heute beim Aufräumen habe ich sie gefunden und einmal heftig den Kopf geschüttelt über die Sorgen, die wir uns um Sohn 06/9 gemacht haben. Ich spreche von der Klingelwindel, von der viele sicher schon gehört haben, aber von der kaum jemand zu sprechen wagt.

Denn irgendwie redet man nicht gern darüber, wenn ein Kind mit fast 6 Jahren nachts noch eine Windel braucht. Bei Sohn 06/9, der mich sicher irgendwann für diese Offenlegung verdammen wird, war es so: Als er mit 3 Jahren in den Kindergarten kam, war er tagsüber trocken und braucht keine Windel mehr. Aber Nacht für Nacht für Nacht war die Windel nicht nur voll, sondern oft auch ausgelaufen.

Heute weiß ich: Er hatte und hat auch immer noch einen tiefen, gesegneter Schlaf. Und zwar regelmäßig, seit er ein halbes Jahr alt ist. Warum um alles in Welt konnten wir es „damals“ nicht uneingeschränkt schätzen, wie toll es eigentlich war, dass das alles mit dem Ein- und Durchschlafen so problemlos lief? Denn ein guter Schlaf ist doch schließlich ein wichtiger Baustein für die körperliche und geistige Entwicklung. Und – ähm, ich gestehe! – ein Segen für die Eltern. Statt dessen machten wir uns Sorgen, dass irgendetwas nicht in Ordnung sein könnte.

Glücklicherweise hatten und haben wir eine völlig tiefenentspannte Kinderärztin. Ihre Ansage: Vor 6 bestünde da gar keine Veranlassung, etwas zu tun und dem Kleinen weitere Untersuchungen zuzumuten. Zumal es ja tagsüber klappte. Sie meinte, wenn wir es als problematisch wegen der Schule betrachten würden, könnten wir es aber schon im Sommer vor der Einschulung (Sohn 06/9 wurde erst an seinem 1. ordentlichen Schultag 6) mit einer Klingelwindel probieren. So wollten wir es also machen. Und ich habe – zwar zunehmend genervt aber standhaft – alle Vorschläge und gutgemeinten Ratschläge aus dem Umfeld an mir abperlen lassen.

Ein gängiger Tipp war, das Kind immer ohne Windel ins Bett zu legen. Wer in seinem eigenen Siff schlafen muss, geht schießlich irgendwann freiwillig aufs Klo, so die Überzeugung dahinter. Bei einigen wenigen Versuchen (ja, ich geb’s ja zu, ich war doch nicht immer 100% standhaft!) in dieser Hinsicht wurde klar: Sohn 06/9 stört es nicht im geringsten, 10 Stunden in einem klatschnassen Bett und einem triefenden Schlafanzug zu schlafen. Aber mich stört es sehr wohl, mir ständig Sorgen über eine drohende Lungenentzündung zu machen (schließlich hat es in unseren Gefilden nicht das ganze Jahr über 30 Grad) und täglich Bettwäsche inklusive Bettzeug und betroffener Kuscheltiere zu waschen, zu trocknen und neu zu überziehen. Genauso unsinnig erschien mir übrigens der Gedanke, das Kind eine Zeit lang alle zwei Stunden zu wecken und mit ihm aufs Klo zu gehen. Hallo. Geht’s noch??? Welche Schäden man da dem gesunden Schlafrhythmus von Kind UND Eltern zufügt, möchte ich mir gar nicht ausdenken!!! Hier kam ich nicht mal in Versuchung. Ebensowenig bei der Vorstellung, dem Sohn, der tendenziell eh eher zu wenig trinkt und immer zum Trinken angehalten werden muss, abends 2 Stunden vor dem Schlafengehen nichts mehr zu trinken zu geben. Das halte ich schlicht für Quälerei! Außerdem: Was soll das bringen? Das dringt in keiner Form bis zur Ursache des „Problems“ vor und ist sicher nicht geeignet, selbstständige Blasenkontrolle zu erlernen.

Es geht los: Ein Frosch zieht bei uns ein!

Die Ursache für die nasse Windel bzw. das nasse Bett lag doch in unserem Fall darin, dass das Kind im Schlaf den Harndrang gar nicht erst wahrgenommen hat. Und da wollten wir ansetzen. Also quasi das Kind dafür zu sensibilisieren, den Harndrang zu spüren, davon soweit wach zu werden, dass es auf die Toilette geht. Im Mai vor dem 6. Geburtstag war es dann so weit: Wir bekamen die Klingelwindel verschrieben. Bei uns war es die STERO Enurex Klingelhose.

Die Stero Enurex Klingelhose / Klingelwindel   Das System / die Bestandteile der Klingelwindel / Klingelhose

Das erste, was man in diesem Zusammenhang tun muss: Akzeptieren, dass Experten auf ihrem Gebiet das System der Klingelwindel entwickelt haben und es daher für den Erfolg unabdingbar ist, sich exakt an die Vorgaben und den Ablauf zu halten. Wer eh alles besser weiß, sollte die Finger davon lassen und sich dann aber fragen, warum das Kind auf keine der eigenen Strategien „anschlägt“. Warum ich das so betone? Weil ich nahezu parallel zu uns zwei Fälle im Bekanntenkreis hatte (ja, das ist alles gar nicht so selten, wie man immer denkt – v.a. bei Jungs! – wird aber halt als Makel noch ziemlich tabuisiert), die das ganze nicht mal halbherzig und am Ende wenig erfolgreich angegangen sind.

Nicht dass ich nicht skeptisch war! Ganz im Gegenteil! Ich war zu der Zeit ziemlich sicher, dass unser Tiefschläfer durch nichts wachzukriegen sein würde und ihm irgendwann nur noch durch Zunähen geholfen werden könnte. Aber wir haben uns alle darauf eingelassen – und wenn ich wir sage, meine ich tatsächlich die ganze Familie, die komplett mit einbezogen war.

Sohn 08/6, fast 2 Jahre jünger, aber zu dem Zeitpunkt schon längst komplett trocken (er war einer der Fälle, bei denen das quasi übergangslos kurz vor dem 3. Geburtstag einfach passiert ist – tags wie nachts – warum auch immer, wir haben jedenfalls bei ihm nichts anders gemacht), musste vor allem angehalten werden, im gemeinsamen Kindergarten nicht jedem davon zu erzählen. Und gebeten werden, beim „Klingeln“ (welch süßer Ausdruck für das Alarmgeräusch mitten in der Nacht!!!) nicht immer mit aufzustehen, um ja nichts zu verpassen.

Die „Installation“ und ihre Funktionsweise

Vor dem Start mussten wir erst mal unsere Toilette präparieren: Der magnetische Frosch sollte in Toilettennähe, griffbereit für das Kind angebracht werden. Dafür musste lediglich ein Cent-Stück auf die Fliesen geklebt werden, das ab sofort für die Aufbewahrung des Frosches verantwortlich war.

Der Magnetfrosch sollte - ganz im eigenen Interesse - immer griffbereit sein!    Nur mit dem Magnetfrosch lässt sich der Alarm, den die Klingelwindel schlägt, wieder abschalten.

Der Sohn musste ebenfalls präpariert werden: Er musste vor dem Schlafengehen die Klingelhose über die normale Unterhose anziehen. Diese ist mit einem eingearbeiteten Feuchtigkeitsfühler ausgerüstet, der schon bei einem einzigen Tropfen Urin ein schrilles Signal auslöst. Das geschieht über einen Signalgeber, der wiederum über einen Gurt, der mit Druckknöpfen an der Sensorhose festgeklickt wird, mit einem Befestigungsclip am Schlafanzug befestigt wird.

Soweit die technischen Vorbereitungen, jetzt wollte aber auch die Psyche eingestellt und der idealtypische Ablauf verinnerlicht werden. Dafür haben wir jeden Abend dreimal vor dem Schlafengehen mit Sohn 06/9 eine Trockenübung gemacht und zwar wie folgt (und nicht ohne uns am Anfang dabei etwas dämlich vorzukommen):

  • Wir simulieren einen Pipifall sowie den ausgelösten Alarm und fragen den Sohn, was er jetzt tut. Die richtige Antwort: Sofort versuchen, das restliche Pipi anzuhalten, aufstehen, zur Toilette gehen.
  • Wir gehen, nein rennen also alle piepsend zur Toilette. Dort muss der Sohn den Gurt über die Druckknöpfe von der Unterhose lösen und das Signal mithilfe des Magnetfrosches abstellen.
  • Anschließend muss er – dann allerdings nur im Echtfall, das bleibt uns bei der abendlichen Übung erspart – eine neue Klingelhose anziehen (die idealerweise im Bad bereit liegt) und den Gurt wieder daran befestigen.
  • Wenn er die Trockenübung selbstständig hinkriegt, sind wir natürlich voll des Lobes für ihn. Schließlich ist es unsere Aufgabe, die Motivation zu stärken.

Soweit so gut. Soweit die Theorie. In der Praxis funktioniert das dann nicht sofort so rasch und reibungslos. Es gibt einiges, was im Echtbetrieb zu einer kleinen oder auch mal größeren Abweichung vom Standardprozess führen kann: Das Kind wird vom Wecksignal nicht wach und ist erst, als die ganze Familie vor seinem Bett versammelt ist und an ihm zerrt, zum Toilettengang zu bewegen.  Das Signal hört nicht auf, obwohl er den Frosch fest auf den Signalgeber gedrückt hat – kann es auch nicht, wenn vorher nicht die Druckknöpfe gelöst und damit der Kontakt unterbrochen wurde. In einem schlaftrunkenen, geschwächten Zustand lassen sich die Druckknöpfe trotz aller Kraftanstrengung nicht von der Sensorhose lösen. Der Sohn vergisst das Umziehen und stöpselt nach dem Toilettengang wieder die nasse Hose an. Piiiiiieeeep.

Das Protokoll

Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass wir skeptisch waren? Aber dennoch haben wir uns akribisch an die Anweisungen des Stero-Expertenteams gehalten. Und dazu gehört eben auch das Ausfüllen von Protokollbögen. Dort wird für jede Nacht protokolliert, ob, wann und wie oft das Signal ausgelöst worden war, wie das Kind darauf reagiert hat und wie groß das Ausmaß des Malheurs war – was also alles nass war. Die Protokollseiten können dann immer nach Ablauf von 2 bzw. später 4 Wochen an den Stero Behandlungsdienst geschickt werden. Von dort bekommt man dann eine detaillierte schriftliche Einschätzung mit Tipps zum weiteren Behandlungsverlauf zugeschickt. Außerdem gab es die Möglichkeit von Telefonaten mit der betreuenden Diplom-Psychologin.

Protokollführen über glückliche und pannenreiche Nächte gehört als Pflicht dazu.

Dank des Protokolls weiß ich auch heute – fast 3 Jahre später! – noch ganz exakt, wie die Behandlung verlief. Und mein einziges Fazit ist: BEGEISTERND! Wir haben am 20.5. mit der Klingelwindel gestartet und die ersten beiden Wochen waren eine einzige Katastrophe. Nach der ersten Auswertung durch den Stero-Behandlungsdienst, einigen Anpassungen im Ablauf und vor allem hartnäckigem Festhalten an der Behandlung, wurde es immer besser – und schon nach einem Monat hatten wir keine nächtlichen Überflutungen mehr und vor allem ein Kind, das regelmäßig ohne Signal ganz von alleine bzw. vom Harndrang geweckt nachts oder in den frühen Morgenstunden auf die Toilette gegangen ist. Am 7.7. enden die Aufzeichnungen, denn wenn ein Kind 14 Nächte hintereinander das Signal nicht mehr auslöst, ist die Behandlung erfolgreich beendet. Und damit auch mein Plädoyer für die Klingelwindel 😉

Zu Hilfe: Mein Kind will einfach nicht fernsehen!

Die meisten Eltern, die ich kenne, beklagen sich darüber, dass ihre Kinder zu viel fernsehen möchten und das ein ständiger Streitpunkt ist. Und da komme ich und beklage mich darüber, dass Sohn 08/6 einfach nicht vor der Glotze sitzen möchte. Klingt verrückt? Naja, jedenfalls macht es mich manchmal verrückt!

Im Prinzip ist es so: Sohn 08/6 schaut Fußball, Skirennen oder Skispringen – das ginge, wenn wir nicht aufpassen würden, tatsächlich auch stundenlang. Aber „Hase Felix“, „Rabe Socke“, „Pettersson und Findus“ oder gar „Das kleine Gespenst“? Fehlanzeige! Kasperletheater im Kindergarten oder „Schneewittchen“ im Freilufttheater als Vorschulabschlussausflug mit den Erzieherinnen? Mein Sohn verbringt den Großteil der Vorführung unter dem Stuhl und hält sich abwechselnd Augen und Ohren zu. Ich merke: Sohn 08/6 erlebt und erleidet das, was im Film oder auf der Bühne passiert, mit – als wäre er selbst Teil des Ganzen. Es versetzt ihn offensichtlich in echte Panik, wenn der Hase Felix von Sophie getrennt wird, wenn Findus vom Hund des Jägers gejagt wird oder Schneewittchen den vergifteten Apfel isst.

Hilfe, mein Kind möchte nicht fernsehen!Die Erzieherinnen wussten Bescheid und konnten damit umgehen. Und auch für mich ist es überhaupt kein Problem, wenn das Fernsehbild beim 6-jährigen schwarz bleibt. Schließlich kennen wir das vom jetzt 8-jährigen und bauen darauf, dass sich das auch bei Sohn 08/6 etwa in dem Alter dann legen wird.

Allerdings wird mir das Problem von verschiedensten Seiten aufgezwungen. Denn die Kinder werden in dem Alter einfach immer wieder in Situationen sein, in denen sie Filme anschauen oder Theatervorführungen besuchen müssen – sei es in der Schule, im Hort oder auf Kindergeburtstagen. Für Sohn 08/6 sind das peinliche Erlebnisse und er wird dafür auch ausgelacht. Das tut mir leid. Und führt dazu, dass ich nicht zwei Jahre abwarten kann, sondern wieder anfangen will, mit ihm gemeinsam kleine Filme anzuschauen und doch vielleicht auch mal wieder ins Kino zu gehen. Auch wenn ich es an sich nicht sinnvoll finde, was ich da tue.

Übrigens: Die meisten anderen Eltern halten es natürlich für völlig übertrieben, wenn ich das „Problem“ schildere (Na, fühlt Ihr Euch ertappt?) – allerdings nur so lange, bis sie es selbst erleben! Wie eine Freundin, die allen Warnhinweisen zum Trotz den Sohn unbedingt mit zu „Der Löwe lacht“, einem tollen Liedertheater von Christof und Vladislava Altmann, mitnehmen wollte und dann nach 10 Minuten von den anderen Eltern rausgeschickt wurde – mit meinem brüllenden Sohn. Nur gut, dass die Oma dabei war und mit den restlichen vier Kindern das Stück zu Ende anschauen konnte… Oder kurz vor Weihnachten der Kindergeburtstag der besten Freundin von Sohn 08/6. Er war der älteste Gast – und der einzige, den wir dann – nach Anruf eines hörbar genervten Freundin-Papas – nach einer Viertelstunde aus dem Kino in der Nachbarstadt abholen mussten. Und nein, die haben nicht etwa den Hobbit angeschaut, sondern den Paddington-Bär! Zum letzten Kindergeburtstag, ein siebter übrigens, habe ich ihn gar nicht erst geschickt – es sollte nämlich E.T. geschaut werden – und ich bin mir ziemlich sicher, wer da schon nach 5 Minuten nach Hause telefoniert hätte!

Ach ja: Mein Mann hatte eine Schnapsidee und für die letzte, längere Urlaubsfahrt DVD-Player fürs Auto gekauft. Macht man heute so. Und, ihr werdet’s nicht glauben, die Kinder haben sich tatsächlich einen Teil der Zeit mit DVD-Gucken vertrieben! Schließlich habe ich vorher passendes Filmmaterial eingekauft: FIFA Fever (3 DVDs mit den tollsten Toren, Spielen und Helden aus 100 Fußballjahren), Mia san Champions! (2 DVDs für Hardcore-Bayern-Fan) und Was ist was – Sport 😉

Elterngespräche ODER An folgenden Terminen ist ein Gespräch möglich

Es soll um den Lern- und Entwicklungsstand von Sohn 06/9 gehen, steht da. Natürlich müssen wir da hin – denn selbstverständlich haben wir den Eindruck, dass die Lehrerin hierzu noch ein paar dringende Informationen von uns braucht 😉

Und wenn ich „wir“ sage, meine ich auch uns beide, also meinen Mann und mich. Denn wir sind nicht nur beide erziehungsberechtigt, sondern auch beide erziehungsbeteiligt. Und zwar mindestens zu gleichen Teilen. Aber vielleicht auch jeder von uns zu 75 Prozent… Also muss mein Terminkalender zunächst mal mit dem meines Mannes unter einen Hut gebracht werden. Soweit so gut. Darin sind wir geübt, wenn auch nicht immer erfolgreich.

Aber: Nun müssen damit auch noch die Terminvorschläge der Lehrerin synchronisiert werden, die grundsätzlich nur donnerstags – da aber von 10 bis 12 und von 14 bis 16 Uhr – sowie freitags von 14 bis 16 Uhr Zeit hat. Das allerdings auch nur in einem Zeitkorridor von zwei Wochen.

Die gelbe Postmappe: DAS Kommunikationmedium mit der LehrerinWie gut, dass sie uns diese Information schon eine ganze Woche vor Start der Gesprächstermine mittels der typischen Postmappenbotschaft überbringen lässt. Ein Moment des erleichterten Durchatmens: Es hat dieses Mal geklappt und wir sind auf Anhieb fündig geworden, können der Lehrerin sogar zwei (!) Alternativen vorschlagen, aus denen sie dann auch – 2 Tage vor Start der Gesprächsrunden – einen erwählt. Mein Mann beantragt hastig einen halben Urlaubstag, ich hatte eh keine festen Termine drin.

Dieses Mal ist alles gutgegangen. Aber das war nicht immer so und ich ahne, dass es nicht immer so sein wird, steht uns doch noch ein guter Teil der Schulkarriere bevor. Zu Kindergartenzeiten waren die Vorschulkinder beispielsweise übers Jahr verteilt an etwa vier oder fünf Nachmittagen in die Schule eingeladen, um – statt wie sonst üblich vormittags im Kindergarten – dort den Vorschulunterricht zu genießen. Eine tolle Sache, weil die Kinder dann schon die Schule und die Klassenzimmer kennenlernen und einen guten Eindruck davon gewinnen, wie später einmal dieser ominöse Schulunterricht aussehen wird.

Ich habe mich aber jedes Mal gefragt, warum man das für berufstätige Mütter immer zum Orgastress werden lassen muss. ALLE Termine bei BEIDEN Kindern lagen IMMER an Nachmittagen, an denen ich beim Arbeiten und die Kinder daher bei der Tagesmutter im Nachbarort waren. Oft wurden die Termine erst in der Woche vorher kommuniziert und ich musste für den Vorschüler jemanden organisieren, der ihn nach dem Kindergarten mitnimmt und um 14.30 Uhr zur Schule bringt. Und die Tagesmutter bitten, um 13.30 Uhr zunächst nur ein Kind abzuholen, um dann zwei Stunden später – natürlich wieder zusammen mit den 4 anderen Kindern – noch mal loszudüsen und den Vorschüler in der Schule abzuholen.

Geht alles – kein Thema. Aber wüsste man solche Termine einfach schon ein paar Wochen vorher, hätte man etwas mehr Luft…

Petterssons Erfindungen – Die App für das Kind und das Kind im Mann

Damit sich Sohn 08/6 nicht langweilt, wenn er mal wieder stundenlang dem F-Jugendturnier von Sohn 06/9 beiwohnen muss, habe ich ihm am Samstag Abend noch eine neue App aufs iPad geladen: Petterssons Erfindungen 1 von Filimundus.

"Pettersson Erfindungen 1" - Eine wunderbare App von Filimundus

Darauf aufmerksam geworden bin ich über die Facebook-Seite der Zeitschrift Nido. Dort wurde auf einen Artikel im Heft verwiesen, in dem 5 schöne Kinder-Apps für jedes Alter vorgestellt werden sollten. Die Ausbeute war schlichtweg enttäuschend, der Informationsgehalt minimal. Glücklicherweise haben sich andere Eltern unter dem Beitrag über ihre Lieblingsapps ausgetauscht. Und nachdem gleich mehrfach „Petterssons Erfindungen“ fiel, habe ich die App gekauft.

Apropos gekauft: Die App kostet 1,99 EUR. Das behalten wir schon mal im Hinterkopf, dazu muss ich gleich nachher noch was sagen.

Nun aber zuerst mal zur App selbst:
Der schrullige Pettersson hat ja immer was zu tun – so natürlich auch hier. Er hat sich 27 knifflige und witzige Erfindungen ausgedacht, die allerdings von den Kindern erst noch zusammengebaut werden müssen. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man probiert alle Gegenstände, die einem dafür zur Verfügung stehen, der Reihe nach aus und kommt so auch irgendwann zum Ziel (der „Sohn-08/6-Approach“) oder man überlegt sich logisch, welches Zahnrad sinnvollerweise wie und womit verbunden werden muss, ob ein Wasserrad an der einen oder anderen Stelle nützlich sein könnte, welcher Blasebalg wo platziert werden sollte, welche Hupe oder welcher Muckla wie positioniert gehört (die „Technisch-versierter-Papa-Herangehensweise“). Sobald man eine Erfindung erfolgreich fertiggestellt hat, schaltet man damit die nächste frei usw. usw. Tja, und dann ist tatsächlich irgendwann Schluss, weil man alle Aufgaben gelöst hat. Je nach Geschwindigkeit des Kindes kann es nach ein bis zwei Stunden Spielspaß soweit sein.

Und da möchte ich auch schon den Bogen zurück zur Preisthematik schlagen: Die 1,99 EUR sind gut investiertes Geld! Lasst Euch nicht von den Rezensionen abschrecken, die monieren, dass es bei dem Preis schon ein paar mehr Erfindungen sein dürften, die zu wenig Spiel für das viele Geld anmahnen oder die ganz banal und einfach grundsätzlich für 1,99 EUR schon etwas mehr erwartet hätten. Klar, ein Ü-Ei gibt es schon für 79 Cent und man hat dann Spannung, Spiel UND Schokolade. Ein Pixi-Buch  gibt es für unschlagbare 99 Cent. Wieviel mehr ist wohl einem Kind geboten, wenn es ein Pixi-Buch mit lehrreichen Geschichten unserer geliebten Freundin Conni lesend die zwei hauchdünnen Schokoladenhälften des Ü-Eis verspeist und anschließend noch ein dreiteiliges Rennauto zusammensteckt… Und das alles für nur 1,78 EUR. Oder man könnte dem Junior auf dem Wasen eine Fahrt mit den Boxautos für Kinder spendieren – dafür zahlte man 2014  exakt 2 Euro.

Ihr versteht, was ich meine: Wir geben so viel Geld für die Bespaßung und Förderung unseres Nachwuchses aus. Aber eine technisch ausgeklügelte App mit kreativen Ideen, einer tollen Grafik und einer hohen Benutzerfreundlichkeit darf nichts kosten. Die Gratismentalität im Internet lässt auch hier herzlos grüßen. Das wird mir schlichtweg immer ein Rätsel bleiben – was vielleicht auch daran liegt, dass ich nicht nur als User, sondern irgendwie auch beruflich mit der Online-Branche verbandelt bin.

Im Übrigen wollte ich Sohn 06/9 , der ja mit Fußballen beschäftigt war, das Erfindervergnügen auch nicht vorenthalten und hatte die App daher auch auf iPad2 installiert. Zu unserer Überraschung waren alle Erfindungen dort aber schon gelöst und damit entsperrt. Ich kann allerdings nicht verlässlich sagen, wie lange der Spielspaß beim technisch versierten Papa gedauert hat, weil er sich heimlich über die App hergemacht hatte…!

Bevor übrigens ein falscher Eindruck entsteht: Natürlich kann man die Erfindungen, die man schon einmal gelöst hat, immer wieder neu starten. So kam auch Sohn 06/9 noch ganz auf seien Kosten!

Nachtrag:
Zwischenzeitlich nennen wir auch „Petterssons Erfindungen 2“ unser Eigen. Und Sohn 08/6 ist über die Trial-and-Error-Phase hinaus und beginnt tatsächlich, darüber nachzudenken, wie und warum die Maschinen funktionieren. Damit hat er für 3,98 EUR schon mehr gelernt als ich in 9 Jahren Physikunterricht…