Fußballregeln heute – inspiriert von einem Facebookbeitrag

Ich habe mich heute Morgen „ausm Ruhrpott“ inspirieren lassen. Genauer gesagt von einem Bild (das vermutlich aus „Das Wunder von Bern“ stammt) und 15 Fußballregeln, die in „unserer“ Kindheit galten:

https://www.facebook.com/ausmruhrpott/photos/a.370858049693294.1073741827.370212099757889/857382067707554/?type=3&theater

Damals, als der Fußball noch die Pille war… ?

15 Fußballregeln uns’rer Kindheit!

1. Der Dickste is‘ im Tor! ?
2. Dat Kind mit’m Ball bestimmt, wer spiel’n darf. ?
3. Mädchen dürfen nicht mitspielen!
4. Strafen gibt’s nur, wenn verletzte Spieler schwör’n, dat es wirklich weh tut.
5. Dat Spiel is‘ Ende, wenn alle müde sind! ?
6. Egal wieviele Tore fallen, „Das nächste Tor gewinnt!“.
7. Kein Schiedsrichter. Und wenn, sind’s Streber!
8. Wenn keiner ’nen Fussball hat, wird’s auch ’ne Dose tun. ?
9. Latte rettet!
10. 3 Ecken = Elfer!
11. Schulranzen oder Auswechselspieler dien‘ als Torpfosten.
12. Wenne als letztes gewählt wurdest, hasse im Leben keine Chance! ?
13. Wenn der mit dem Ball nach Hause muss, is‘ dat Spiel vorbei!
14. Wenn die Latern‘ an geh’n, ab nach Hause!
15. Man kann auch morgen weiter spiel’n!
16. Teil den Beitrag. Sonst darfste nicht mitspielen! ?

Natürlich sind meine 6 Fußballregeln, die als Replik darauf entstanden sind, völlig subjektiv und überspitzt, aber ganz vielleicht spiegelt sich darin auch ein Teil meines ganz persönlichen Fußballfrustes als „Fußballmama ohne Leib und Seele“. Es ist jedenfalls kompliziert…

(Jugend-)Fußballregeln heute

1. Auf der Straße kicken ist VERBOTEN.

Denn das ist laut und stört sowohl in Altbaugegenden als auch in Neubaureihenhaussiedlungen empfindliche Anwohnerohren – und zwar nicht nur die der Rentner, die ihre Hörgeräte übersteuert haben, sondern gerade auch die von Eltern mit Kindern, die selbst so gerade mal eben dem Straßenkickeralter entwachsen sind (punktuelle Amnesie vermutlich).
Außerdem kann man selbst mit einem Softball die wahlweise aus Prestige- oder Bequemlichkeitsgründen auf der Straße statt in der Tiefgarage parkenden Mercedes, Porsche oder Audi-SUVs empfindlich verletzen. Und es stört den Verkehrsfluss selbst in einer Sackgasse oder Spielstraße doch erheblich, wenn bei jedem an- oder abfahrenden Auto die Eck- und Torpfosten beiseitegetragen werden müssen (die selbstverständlich nicht mit den teuren extraleichten Designerschulranzen markiert oder von menschlichem Auswechselpotenzial gebildet werden, sondern mit leuchtenden Hudora-Plastikpylonen).

2. Trainingsort und Trainingszeiten

Aufgrund von 1. braucht man also Alternativen. Da in einer größeren Gemeinde viele Kinder gleichzeitig die örtlichen Sportanlagen oder Sporthallen nutzen wollen (und zwar sehr zum ungläubigen Staunen vieler nicht immer zum Fußballspielen, sondern tatsächlich ab und zu auch für Randsportarten wie Handball, Leichtathletik oder Geräteturnen), braucht es eine ausgeklügelte Planung, wer wann welchen Platz nutzen darf. Glücklicherweise gewinnt Fußball als einziger echter Breitensport hierzulande eigentlich immer und 1. ist somit kein echtes Problem. Trainiert wird also zunächst zweimal pro Woche eine oder anderthalb Stunden, ab der E-Jugend dann dreimal.

3. Political Correctness

Dieses Schlagwort hat zwischenzeitlich sogar beim Fußball Einzug gehalten (zumindest in der Theorie – denn wenn man sich durch die Zuschauerreihen bei Bundesligaspielen lauscht, kommen einem ggf. zu diesem Punkt ernste Zweifel). Wie auch immer: Daher gibt es auch keine „Dicken“ mehr, die im Tor stehen müssen, sondern höchstens gut genährte Kinder, die selbstverständlich wechselweise mal auf jeder Position spielen dürfen. Denn schließlich wissen wir: Jede Position fordert und fördert bestimmte Eigenschaften eines Spielers, so dass selbstverständlich die vielseitige Ausbildung der Jungkicker und – man verzeihe mir, dass ich es beinahe vergessen hätte – natürlich JungkickerINNEN im Mittelpunkt steht. Denn Mädels DÜRFEN nicht nur mitspielen, sondern MÜSSEN sogar (also wünschenswerterweise mindestens ein Mädel pro Mannschaft!), um Diversity zu leben. Daher schreiben wir in E-Mails politisch korrekt auch „Liebe Spieler, liebe Spielerin!“.
In den Ballettkursen befreundeter Mädelseltern liest sich diese Umsetzung der Gleichberechtigung dann vermutlich so: „Liebe Ballerinas, lieber Ballerino!“.

4. Normkonformes Material

Vorweg: Die beim Pott erwähnten Dosen werden es an diesem Punkt schwer haben und sollten sowieso nicht auf der Straße rumfliegen, sondern brav – passend wiederum zu 3. – zum Pfandautomaten getragen werden (wenn sie denn überhaupt gekauft werden müssen). Gekickt werden kann nämlich AUSSCHLIESSLICH mit einem genormten Fußball (Anmerkung: Nach den FIFA-Regeln ist ein Fußball dann regelgerecht, wenn er kugelförmig ist, aus Leder oder einem anderen geeigneten Material gefertigt ist, einen Umfang zwischen mindestens 68 und höchstens 70 cm hat, zu Spielbeginn ein Gewicht von mindestens 410 Gramm, jedoch höchstens 450 Gramm besitzt und einen Überdruck zwischen 0,6 bar und 1,1 bar besitzt. Jugendbälle sind etwas leichter.)

5. Die Rolle der Eltern

Früher spielten Eltern beim Straßenkick eigentlich keine Rolle. Es ging auch ohne. Ganz anders heute!

Part 1: Die Eltern als Sparschweine
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Die Eltern kaufen den Kindern nicht nur gebrandete Funktionsfußballkleidung, sondern auch pro Saison MINDESTENS 3 Paar Kickschuhe (für die Halle mit profilierter Sohle, für den Kunstrasen mit länglichen Nocken bzw. für ältere, kurze Kunstrasenplätzen solche mit Multinoppen, für normalen Naturrasen mit breiteren Nocken mit etwas weiterem Abstand, für feuchten Naturrasen mit klassischen angeschraubten Stollen). Im übrigen hoffen alle ELtern, die ich kenne, inständig, dass ihnen der Supergau erspart bleibt, dass das Kind während der Freiluftsaison einen Wachstumsschub macht…

Part 2: Das Wochenende ist nicht mehr heilig
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Die Eltern halten sich im Sommerhalbjahr jedes Wochenende frei, um ihre Nachwuchsbundesligaspieler zu den wöchentlichen Ligaspielen bzw. den tagesfüllenden Feldspieltagen oder Turnieren zu begleiten und sie gebührend (und selbstredend politisch korrekt – siehe dazu 3.) anzufeuern. Im Winterhalbjahr gilt Entsprechendes für Hallenspieltage und Hallenturniere. Wichtig: Auch wenn man an dem Wochenende eigentlich lieber etwas anderes gemacht hätte (es soll tatsächlich Eltern geben, die eigene Interessen und Hobbys haben – ist aber nur Hörensagen, also völlig unbestätigt und daher vielleicht auch völlig abwegig!), es wird auch dann nicht gemeckert, wenn der eigene Sprössling bei 7 Spielen à 10 Minuten insgesamt nur 8 Minuten auf dem Platz steht. In diesem Kontext erschiene dann das Ruhrpott-Prinzip „Auswechselspieler als Torpfosten“ doch wieder überdenkenswert. Aber natürlich lernt man auch beim Zuschauen (ich will jetzt ja nicht sagen, dass das dann aber auf der Couch vorm Sky-Programm gemütlicher wäre ;-)).

Part 3: Die Eltern als Chauffeure
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Die Eltern schaffen sich – falls noch nicht vorhanden – zusätzlich zum zweiten Kind im fußballfähigen Alter ein zweites Auto an. Denn bei den unglaublicherweise unwahrscheinlich häufigen Verkettungungen unglücklicher Umstände ist Sohn 1 womöglich am Sonntag ab 7.50 Uhr 25 km nach Norden zu begleiten, während Sohn 2 ab 8 Uhr 30 Kilometer südlich des Heimatortes seine Torjägerqualitäten oder sein Sitzfleisch unter Beweis stellen muss.

6. Und last but not least:

Mitspielen darf nur, wer schon mit 5 Jahren bei den Bambini (also G-Jugend) mit dem Training durchgestartet ist.

—> Wenn Ihr also Glück habt, hat Euer Sohn oder natürlich Eure Tochter (siehe 3.) diesen Zeitpunkt verpasst und hat keine Chance mehr, in eine der umliegenden Vereinsmannschaften aufgenommen zu werden. Es sei denn, Ihr habt Pech und er oder sie ist ein Naturtalent 😉

tl;dr

Nicht jeder – pardon jede – ist zur Fußballmama geboren. Weil: Es ist kompliziert!

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